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Kartoffelernte 2005 im Vogelsberggarten ULRICHSTEIN (dg). - Es war fast wie "in alten Zeiten": Karscht, Weidenkörbe, Leinensäcke und natürlich auch am Ende ein zünftiges Frühstück. So ging die Kartoffelernte im "Vogelsberggarten" vonstatten.

Bild: Schon Tradition - Kartoffelernte im Vogelsberggarten.
Am Rande des Südhangs vom Schlossberg hatten sich Paten und Helfer am Ackerstück eingefunden und ernteten die als Nachtschattengewächs bekannten Kartoffeln. Als Kulturpflanze in den Kordilleren von Peru und Chile, waren sie von den spanischen Eroberern in den Jahren 1565 und 1586 über Spanien und Irland nach Europa gelangt und Mitte des 18. Jahrhunderts in Preußen von Friedrich dem Großen als Lebensmittel eingeführt worden.
Die Kartoffelernte war im Vogelsberg jahrzehntelang ein besonderes Ereignis. Denn das Grundnahrungsmittel des Menschen und Hauptfutter für Tiere, insbesondere als Silofutter für Schweine, wurde in Nachbarschaftshilfe geerntet. Die Art der Ernte änderte sich mit der zunehmenden Mechanisierung in der Landwirtschaft. Vom Karscht über das Auspflügen mit Kuh- oder Pferdegespann bis zum Schlepper gezogenen Roder und den Vollerntern wird jetzt nur noch wenig "Mann-/Frau-Power" gebraucht.
Auch der Strukturwandel in der Landwirtschaft hat dazu beigetragen, dass nur noch wenige Kartoffelfelder im Vogelsberg zu sehen sind. Im Zuge des Aufbaues des "Vogelsberggartens" wurde deshalb auch ein Ackerstück angelegt, auf dem Kartoffeln gepflanzt wurden.
Die geernteten Früchte - Sorte Granola - wurden nach dem Frühstück unter den Paten und Helfern verteilt. Beim traditionellen Frühstück am Ackerrand gab es natürlich Bauernbrot und Hausmacher Wurst, wie Blut- und Leberwurst sowie Schwartemagen und Kartoffelwurst, eingemachte Gurken, gekochte Eier und zum Abschluss frischer Zwetschgenkuchen und Rührkuchen mit Rosinen (Radonenkuchen). Die Behältnisse für die Speisen kamen allerdings nicht aus den "guten, alten Zeiten", denn statt dem Henkelmann von damals standen Thermoskannen am Feldrain.
Text/Bild Dieter Graulich in Lauterbacher Anzeiger vom 15. September 2005
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