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Schlossberg Ulrichstein: Kriegszeiten
Wird Toleranz von uns Menschen im alltäglichen Leben schon oft vergessen, so existiert dieser Begriff in Kriegszeiten gar nicht mehr. Soldaten kämpfen hier nicht nur gegen Soldaten. Die meist unbeteiligte Zivilbevölkerung hat oft schwer zu leiden, so auch die Bewohner der Ulrichsteiner Orte im dreißigjährigen Krieg. Ständige Einquartierungen, Raub, Plünderungen, Mord, Brandschatzung hatten damals zur Folge, dass die Familien unwahrscheinlich verarmten; und dennoch wollte die herumziehende Landknechtsmeute immer noch mehr Geld und Gut. Bobenhausen wurde bis auf Pfarrhaus und Kirche vollständig niedergebrannt, in Kölzenhain geschah ähnliches. Wo nichts mehr zu holen war, galt auch ein Leben nichts mehr: Von den ehemals 600 Einwohnern Bobenhausens blieben am Kriegsende nur 200 übrig.

Bild: "Wer darnieder liegt, über den läufft iederman." - Daniel Meißner: "Mülstein Hessisch" um 1640.
Der "tolle Herzog", gemeint ist Christian von Braunschweig, "hauste so übel, desgleichen es der Türke niemals getan." Aus dieser Zeit wird berichtet:
Caspar Steuernageln haben sie gefangen geführet, ihn Schrauben angeleget, ihm die Füsse aufgeschnitten und sonsten jämmerlich gepeinigt, nuhr geldgebens halben.
Casparis Weib haben sie gebrennet und danach bis auf den todt geschlagen.
Caspar Ruln, Rathsperson, und sein Weib, haben sie gebrennet, geschlagen und gegurgelt.....
Heinrich Beckers Wittib haben sie geldtgebenshalben büs uf den todt geschlagen und gar jämmerlich gemartert, ist ein fast 80jährig Weib.
Georg Lang Wittibe, so fast 70, haben sie ihre hendt geldgebens halbenn übers Feuer in die Lohe gehalten......
Hand Rodern, den elteren, hat ein Obrist mit einem Auge.......erstlich in eine Cammer gefenglich gesperrt......danach hat er ihm mit einer Büchsenform ein Stück aus der rechten hanndt gerissen und ihn mit einer bloßen Wehr in die linke hanndt entsetzliche schnidt gethan.
Curt Möllers frau haben sie blou und schwartz geschlagen und übel geflucht. Auch im Curten ins angesicht geschlagen, geldtgebens halben das ihm Maul und Nasen geblutet, auch einen stecken auf ihm entzwei geschlagen das es blou und schwartz gewesen.
Enders Sfaeren haben sie ein ruhr uff die brust gesetzt und losgedruckt, aber doch nicht abgegangen, Endlich haben sie ihm ein Seil umb den leib gebunden und ihn mit einem Pferd hinweggeschleppt.
Das Schwedische Kriegsvolk soll noch schlimmer mit den Vogelsbergern umgegangen sein. Sie hätten den Leuten Jauche eingschüttet und seien dann auf ihrem Leib herumgetrampelt. So sei man im Angesicht des Ulrichsteiner Pfarrers mit einem Amtsbruder aus einem Nachbarort umgegangen und habe gedroht, daß es ihm auch so ergehen werden, wenn er kein Geld herausrücke.
Siehe hierzu: August Roeschen/Otto Berth, Ulrichstein und sein Bergschloss nach den Ausgrabungen von 1903 bis 1904.
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